AMC, L-QIF & Gold-ETF: Was gilt bei Risikokonzentrationen?
10 % im Einzeltitel, 20 % beim Emittenten: Das FINMA-Rundschreiben 2025/2 nennt diese Werte als Hinweise für marktunübliche Risikokonzentrationen in der Vermögensverwaltung und der portfoliobezogenen Anlageberatung.
Dabei handelt es sich nicht um starre Anlagegrenzen.
Für Portfolio Manager stellt sich vielmehr die Frage, auf welcher Ebene eine Konzentration tatsächlich entsteht: beim einzelnen Titel, beim Emittenten oder aufgrund der Produktstruktur.
Gerade bei AMC, L-QIF oder mehreren Instrumenten desselben Emittenten ist diese Unterscheidung relevant.
AMC: Underlying-Diversifikation ist nicht Emittentendiversifikation
Ein Actively Managed Certificate (AMC) kann ein breit diversifiziertes Portfolio abbilden. Aus Sicht des Investors bleibt jedoch zusätzlich die Ebene des strukturierten Produkts relevant.
Im Anhörungsverfahren zum FINMA-Rundschreiben wurde vorgeschlagen, AMC aufgrund ihrer inneren Diversifikation von der Konzentrationsbetrachtung auszunehmen.
Die FINMA lehnte dies ausdrücklich ab.
Ihre Begründung: Bei einem AMC handelt es sich um ein strukturiertes Produkt. Für die Rückzahlung haftet der Emittent und nicht der Basiswert. Das Emittentenrisiko bleibt somit trotz Diversifikation innerhalb des AMC bestehen.
Für die Portfolioüberwachung sind deshalb zwei Ebenen auseinanderzuhalten:
Underlying Exposure und Emittentenexposure.
Das wird insbesondere relevant, wenn mehrere AMC desselben Emittenten gehalten werden. Unterschiedliche Strategien oder Basiswerte ändern nichts daran, dass sich das Exposure gegenüber demselben Emittenten kumulieren kann.
L-QIF: Fondsstruktur bedeutet nicht automatisch Ausnahme
Das FINMA-Rundschreiben nimmt Konzentrationen aufgrund kollektiver Kapitalanlagen von den genannten 10-/20-%-Hinweisen aus, sofern diese regulatorischen Risikoverteilungsvorschriften unterstehen.
Beim Limited Qualified Investor Fund (L-QIF) besteht jedoch ein Sonderfall.
Im Anhörungsbericht hält die FINMA ausdrücklich fest, dass L-QIF keiner Bewilligung oder Genehmigung der FINMA bedürfen und von der Ausnahme im Rundschreiben nicht erfasst werden.
Für das Portfolio Monitoring bedeutet dies:
Ein Produkt sollte nicht allein deshalb aus der Konzentrationsbetrachtung herausgenommen werden, weil es als Fonds strukturiert ist. Entscheidend ist auch, ob die Voraussetzungen der regulatorischen Ausnahme tatsächlich erfüllt sind.
Obligationen: Einzeltitel- versus Emittentenbetrachtung
Auch bei Obligationen kann eine reine Positionsbetrachtung zu kurz greifen.
Mehrere Anleihen desselben Unternehmens können unterschiedliche ISINs, Laufzeiten und Coupons aufweisen.
Auf Einzeltitelebene bestehen damit verschiedene Positionen. Das Emittentenrisiko besteht jedoch gegenüber demselben Schuldner.
Auch eine generelle Ausnahme für vermeintlich «sichere» Obligationen wurde im Anhörungsverfahren vorgeschlagen und von der FINMA abgelehnt. Sie verweist dabei ausdrücklich auf weiterhin bestehende Emittenten- und Zinsänderungsrisiken, aufgrund derer bei fehlender Diversifikation Konzentrationsrisiken entstehen können.
Für Portfolio Manager ist deshalb neben der einzelnen Position auch die aggregierte Exposition gegenüber einem Emittenten relevant.
Und der Gold-ETF?
Für Gold-ETF enthalten die hier relevanten FINMA-Unterlagen keine spezifische Sonderregel.
Belegt ist lediglich die allgemeine Regel: Von den 10-/20-%-Hinweisen ausgenommen sind Konzentrationen aufgrund kollektiver Kapitalanlagen, die regulatorischen Risikoverteilungsvorschriften unterstehen.
Bei einem konkreten Gold-ETF ist deshalb zunächst die rechtliche und regulatorische Produktstruktur zu beurteilen.
Davon zu unterscheiden ist die wirtschaftliche Portfolioallokation. Die FINMA weist in ihren Erläuterungen darauf hin, dass Klumpenrisiken nicht nur durch Einzeltitel entstehen können, sondern beispielsweise auch durch Konzentrationen bei gleichen Emittenten sowie in Anlageklassen, korrelierenden Branchen, Ländern oder Währungen.
Produktstruktur und wirtschaftliches Exposure sind damit zwei unterschiedliche Betrachtungsebenen.
Was bedeutet das für das Portfolio Monitoring?
Eine reine 10-/20-%-Ampel bildet nicht jede Konstellation ausreichend ab.
Aus Risikomanagementsicht lohnt es sich insbesondere zu prüfen:
- Werden Einzeltitel- und Emittentenkonzentrationen getrennt betrachtet?
- Werden mehrere Instrumente desselben Emittenten zusammengeführt?
- Wird bei strukturierten Produkten zusätzlich das Emittentenrisiko berücksichtigt?
- Werden Fonds nicht pauschal von der Konzentrationskontrolle ausgenommen?
- Ist bei besonderen Strukturen wie einem L-QIF die regulatorische Einordnung bekannt?
Die FINMA selbst betont in ihrer Aufsichtsmitteilung 03/2026 beim Einsatz von Produkten in der individuellen Vermögensverwaltung die Bedeutung einer frühzeitigen Risikoidentifikation und einer robusten Governance.
Fazit
Ein Portfolio kann auf Positionsebene diversifiziert wirken und trotzdem auf einer anderen Ebene konzentriert sein.
AMC: diversifiziertes Underlying – aber verbleibendes Emittentenrisiko.
L-QIF: kollektive Kapitalanlage – aber gemäss FINMA-Anhörungsbericht keine automatische Ausnahme.
Obligationen: unterschiedliche Titel können dasselbe Emittentenrisiko erzeugen.
Gold-ETF: Die konkrete Produktstruktur ist für die regulatorische Einordnung entscheidend; die wirtschaftliche Goldexposition ist davon getrennt zu betrachten.
Für Portfolio Manager lautet die zentrale Frage deshalb nicht nur:
«Wie gross ist die Position?»
Sondern:
«Auf welcher Ebene liegt das tatsächliche Risiko – und bildet unser Portfolio Monitoring diese Ebene ab?»
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Stand: September 2026. Grundlage sind insbesondere das FINMA-Rundschreiben 2025/2 «Verhaltenspflichten nach FIDLEG/FIDLEV», der dazugehörige Anhörungsbericht und die Erläuterungen sowie die FINMA-Aufsichtsmitteilung 03/2026.

